Portionen sind gewachsen. Am längsten gemessen wurde das in den USA: seit den 1970er Jahren auf das Zwei- bis Dreifache. In Europa fiel der Anstieg kleiner aus.
Es geht hier nicht ums Einschränken oder Zählen. Es geht darum, was die Portion tatsächlich bestimmt.
+35%
mehr isst ein Mensch im Schnitt, wenn die Portion vor ihm verdoppelt wird.
MythosZu viel essen liegt an fehlender Willenskraft.
Bei größeren Portionen essen Menschen automatisch mehr, ohne es zu merken. Das passiert unabhängig davon, wie diszipliniert jemand ist.
Der Teller entscheidet, nicht der Hunger
Auf einem kleineren Teller füllt die gleiche Menge mehr Fläche aus und sieht nach mehr aus. Der Teller verschiebt also, was nach einer normalen Portion aussieht.
Das ist die Delboeuf-Täuschung. Mit Essen hatte sie nichts zu tun: Der Belgier Joseph Delboeuf zeichnete 1865 Kreise auf Papier. Ein Kreis wirkt größer, wenn der Ring darum eng liegt. Ein Teller ist so ein Ring.
Wo Portionen unbemerkt wachsen
| Situation | Was mit der Portion passiert |
|---|---|
| Im Restaurant | Die Portion ist deutlich größer als zu Hause |
| Familienpackung | Keine Portionsangabe. Vorgeschrieben ist sie nicht, und „Familienpackung“ ist keine Größenangabe |
| Direkt aus der Tüte | Keine sichtbare Grenze, also kein Anhaltspunkt, wie viel schon weg ist |
| Großer Teller | Die gleiche Menge sieht nach weniger aus |
| Topf auf dem Tisch | Was vor dir steht, wird nachgefüllt |
| Essen nebenbei | Du bekommst kaum mit, wie viel es war |
Keine dieser Situationen hat mit Hunger zu tun. Alle verändern die Portion, bevor der erste Bissen kommt.
Was sich daran ändern lässt
Der Hebel ist das Gefäß, nicht die Disziplin.
Vorher portionieren
Die Portion entscheiden, bevor der erste Bissen kommt. Snacks in eine Schale, Tüte zu.
Das Gefäß tauschen
Der Teller wirkt dort, wo du dir selbst aufträgst. Ein kleinerer Teller zu Hause, eine kleinere Schale fürs Müsli. Serviert dir jemand, ändert die Tellergröße nichts.
In der Küche servieren
Topf und Pfanne bleiben in der Küche. Nachfüllen wird dann eine Entscheidung statt einer Bewegung.
Ohne Bildschirm essen
Was nebenbei gegessen wird, bleibt schlechter im Gedächtnis. In Untersuchungen wurde bei der nächsten Mahlzeit mehr gegessen.
MythosVorher portionieren heißt, weniger zu essen.
Nicht unbedingt. Die Portion darf großzügig sein. Es geht darum, einmal bewusst zu entscheiden, statt unbemerkt weiterzuessen, weil noch etwas da ist.
Portionen wahrzunehmen ist eine Fähigkeit, keine Regel.
Manchmal vergisst du es, manchmal isst du mehr als geplant. Es gibt nichts aufzuholen.